"Da steckt ganz viel Idealismus drin"


Mister Adlerweg


Ursprünglich für die Marktforschung beworben, kümmert sich Michael Walzer seit zwölf Jahren als Themenmanager um die Themen Sommer- und Winterwandern und Langlaufen. Seinen Kindheits-Berufswunsch Doktor hat er damit knapp verfehlt, aber das ist für den begeisterten Sportler, Hobby-Koch und Vater nicht weiter schlimm. Was ein Themenmanager eigentlich so macht und wer ihm den Spitznamen "Mister Adlerweg" verpasst hat, lest ihr im Interview.

Wie bist du denn vor 12 Jahren zur Tirol Werbung gekommen?
Nach dem Studium bin ich lange gereist, ich war vier Monate unterwegs. Nachdem ich nach drei Monaten erstmals in ein besseres Hotelzimmer gekommen bin, habe ich im Fernsehen gehört, dass wir Wirtschaftskrise haben. Das bedeutet, die Jobsituation war nicht unbedingt gut. Ich habe dann in unterschiedlichen Bereichen gesucht und habe über das Marketinginstitut der Uni viele Projekte abgewickelt – darunter auch viele Marktforschungsprojekte. Schließlich bin ich dann bei BMW Salzburg in der Finanzabteilung der firmeneigenen Bank gelandet und war da ein dreiviertel Jahr. Dann habe ich mich bei der Tirol Werbung initiativ beworben und wurde zu einem Hearing für eine Stelle in der Marktforschung eingeladen.

Also hast du in der Marktforschung deinen Weg in der Tirol Werbung begonnen?
Nicht ganz. Alois (Thurner, ehem. Personalchef der Tirol Werbung, Anm.) hat mich dann knapp vor dem Hearing gefragt: Magst du eigentlich Klettern und Wandern und könntest du dir vorstellen, das Themenmanagement zu übernehmen? Ich habe natürlich „Ja“ gesagt (lacht).Und so bin ich in der Produkt- und Angebotsentwicklung gelandet, die damals noch bei der Destinationsentwicklung angesiedelt war. Seitdem kümmere ich mich um das Themenmanagement.

Vielleicht kannst du unseren Lesern kurz erklären, was man sich unter einem Themenmanager so vorstellen kann?
Der Themenmanager hat im Prinzip den Gesamtüberblick über alle Entwicklungen und Trends in diesem Bereich. Wir kümmern uns um die Qualitätssicherung, denn nicht jeder Weg neben einem Bach ist auch gleich ein Winterwanderweg. Wir geben Impulse zur Verbesserung des Gesamtsystems, bringen unsere Expertise ein und stellen so die Weiterentwicklung des Angebots sicher. Auch die Initiativenleitung der Interdisziplinären Teams liegt beim Themenmanager, in diesem Bereich arbeiten wir eng mit dem ganzen Tirol Haus zusammen, schließlich müssen wir wissen, wie Wanderer aus verschiedenen Ländern ticken. Außerdem kümmern wir uns um das ganze Partnermanagement und die Netzwerkpflege.

Das heißt, du bist auch in enger Abstimmung mit den TVBs. Wie läuft diese Zusammenarbeit?
Nicht nur mit den TVBs, auch mit anderen Partnern wie Naturparke, Alpenverein, Naturfreunde oder Kuratorium für Alpine Sicherheit. Als Themenmanager bringe ich diese Gruppen zusammen und versuche, Synergien zu nutzen und neue Partner zu integrieren. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, es herrscht ein sehr wertschätzender Umgang – trotz unterschiedlicher Interessen. Denn so unterschiedlich sind die ja oft gar nicht. Wir haben zum Beispiel gemeinsam ein Erklärvideo für Wanderer produziert.

Man merkt, dass dir das Thema Wandern sehr am Herzen liegt. Ist das dein „Lieblingsthema“?
(lacht) Nein, Lieblingsthema habe ich keines. Eher vielleicht ein Lieblingsprodukt. Der Adlerweg liegt mir schon sehr am Herzen. Da steckt aber auch unglaublich viel Idealismus von meiner Seite drin, schließlich habe ich den Relaunch von Anfang bis Ende geplant und begleitet. Da gab es auch eine unglaublich positive Resonanz. Ich bin sogar beim Doktor einmal von einem Hüttenwirt mit „Mister Adlerweg“ angesprochen worden (lacht). Mir liegen aber auch die anderen Themen sehr am Herzen. Winterwandern zum Beispiel.

Apropos Winterwandern. Was hat sich da in den letzten Jahren getan?
Winterwandern ist ein tolles Thema. Immerhin war es bis vor einigen Jahren von den Regionen wenig bis gar nicht besetzt. Aber wir haben uns gedacht: Das wäre doch für Tirol eine große Chance, die Kompetenz die wir im Sommer in Sachen Wandern haben, in den Winter mitzunehmen. Eines war aber klar: Wir wollten ein qualitativ hochwertiges Angebot schaffen. Deshalb haben wir einen fünfstufigen Masterplan ausgearbeitet, die rechtliche Grundlage geschaffen und die Regionen mit ins Boot geholt und gemeinsam Qualitätsstandards ausgearbeitet. Über vier Jahre haben wir dann durch eigene Moderation und Innovation und anhand eines klaren Plans ein Angebot geschaffen, das speziell momentan sehr gefragt ist.

In den letzten Jahren hat sich ja doch einiges im Tourismus getan. Wo siehst du denn die größten Veränderungen?

Die Art der Zusammenarbeit ist komplexer geworden. Einerseits durch die vielen Zugänge zu einem Thema, andererseits aber auch durch die Weiterentwicklung des Tourismussystems. Und unser Aufgabenfeld hat sich gewandelt: Früher waren wir viel mehr in der Angebotsentwicklung tätig, das übernehmen die Regionen heute großteils selbst. Jetzt geht es vielmehr darum, Impulse für das Gesamtsystem zu schaffen.

Wie haben sich deine Aufgaben dadurch verändert?
In den vergangenen Jahren habe ich an einer Fülle von verschiedenen Projekten und Aufgaben gearbeitet. Die Themen sind dabei zwar im Großen und Ganzen dieselben geblieben, aber die Inhalte verändern sich. Wie gesagt, geht es heute viel mehr um übergeordnete Impulse. Das ist ein ganz anderer Zugang und man bekommen einen völlig anderen Einblick in die Themen. Durch immer neue Projekte und Aufgaben kann man sich ständig weiterentwickeln. Und die Tirol Werbung ist offen dafür. Das Schöne an diesem Unternehmen ist, dass man immer einen Vertrauensvorschuss bekommt. So hat man den Freiraum, um eigene Ideen und Projekte umzusetzen – wie in meinem Fall etwa den Adlerweg. Dieser Vertrauensvorschuss ist nicht selbstverständlich, das macht die Unternehmenskultur so besonders.

Was gefällt dir sonst an der Arbeit in der Tirol Werbung, dass du es so lange da ausgehalten hast?
Ganz klar die Leut‘, die da arbeiten. Jeder ist engagiert und motiviert und wickelt eine Fülle an Aufgaben ab. Man begegnet sich immer auf gleicher Augenhöhe, wird ernst genommen und es herrscht generell ein wertschätzender Umgang miteinander. Wenn ich Bekannten erzählt habe, dass ich bei der Tirol Werbung arbeite, war meistens die erste Frage: Ma cool, bringst mir da mal eine Kappe mit? (lacht) Den meisten ist nämlich gar nicht klar, was da eigentlich hinter dieser starken Marke steckt und was die Tirol Werbung alles macht.

Nun hat sich ja die Tirol Werbung im letzten Jahr auch strukturell weiterentwickelt – Stichwort interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wie erlebst du diese Entwicklung?
Ich finde, wir gehen da definitiv in die richtige Richtung. Ich bin derzeit in vier interdisziplinären Teams – auch als Initiativenleiter. Ich gebe zu, ich war am Anfang skeptisch. Aber man soll nicht immer an der Vergangenheit hängen und ich bin überzeugt, dass diese Art der Zusammenarbeit zukunftsweisend ist, wenn auch komplexer. Aber so bekommt man eine gesamthafte Betrachtung zu Themen und kann Synergien viel besser nutzen. Aber: ein interdisziplinäres Team ist nicht die Antwort auf alle Fragen. In manchen Dingen braucht es dann doch einen Fachexperten.

Gehen wir weg vom Berufsleben. Wie erlebt man eigentlich als langjähriger Tirol Werber, der sich noch dazu um das touristische Angebot kümmert, das Land?
Definitiv anders, intensiver. Ich komme ja allein beruflich an Ecken, wo ich privat nie hinkommen würde – zum Start meiner Zeit in der Tirol Werbung war ich etwa das erste Mal im Lechtal. Man lernt ganz viele andere Ecken kennen, ganz viele Originale. In der Zusammenarbeit mit verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Regionen merkt man die Vielseitigkeit von Tirol, das macht es irrsinnig spannend. Wenn du mit einem Partner aus dem TVB redest, ist das wie früher, als die Touristiker den Gästen noch persönlich die Highlights der Region gezeigt haben.

Also bist du auch privat der erste Ansprechpartner für Wandertipps?
(lacht) Ja tatsächlich werde ich immer wieder nach Wanderkarten gefragt. Man muss ja über das Angebot Bescheid wissen. Auch der ein oder andere Wandertagsvorschlag kam von mir.

Und da Surfen in Portugal ja momentan eher schwierig ist: Was wäre denn dein Traumreiseziel in Tirol?
Hmm, das ist schwierig. Osttirol gefällt mir sehr gut, da war ich auch ein Jahr lang Zivi. Landschaftlich finde ich aber auch den „Koasa“ (Wilder Kaiser, Anm.) unglaublich schön, oder das Karwendel. Geneell einfach die Berge!

Gut und zum Schluss noch eine ganz andere Frage: Was wolltest du denn als Kind werden?
(überlegt) Gute Frage, das ist schon so lange her. (lacht) Ich glaube, ich wollte Arzt werden. Ich wollte immer den Menschen helfen.

Steckbrief

Name: Michael Walzer

Alter: 38 Jahre

Wohnort: Wörgl

Bei der Tirol Werbung: seit 2009

Hobbys: Radfahren, Klettern, Surfen, Reisen, Kochen, und das größte Hobby: meine dreijährige Tochter

Das gefällt mir an Tirol: die vier Jahreszeiten und die Vielseitigkeit: hochalpin, urban, klare Gebirgsseen – Tirol bietet alles und die vier Jahreszeiten geben den Landschaftsformen immer ein neues Mascherl

Meine Aufgaben in der Tirol Werbung: zuständig für die Themen Wandern (im Sommer und Winter), Langlaufen und Imagekampagne im Sommer

"Die Marke Tirol ist mehr als nur Kappen" sagt Michael. Er muss es wissen - schließlich hat er selbst schon für den Tirol Shop gemodelt.

In sein Herzensprojekt "Adlerweg" hat Michael ganz viel Idealismus und Begeisterung gesteckt.

In seiner Freizeit ist er viel unterwegs - egal ob zu Fuß, mit dem Rad...

...mit dem Snowboard...

... oder beim Klettern. Hauptsache, in den Bergen!