Gerhard Burtscher

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„Wirtschaft braucht Widerstand."

Interview mit BTV-Chef Gerhard Burtscher 

Was macht eine Bank zu einem Ort, an dem Schulklassen, Tourist:innen und Wirtschaftstreibende gleichermaßen zusammenkommen? Für Gerhard Burtscher, Vorstandsvorsitzender der BTV Vier Länder Bank, ist die Antwort klar: Es ist die bewusste Öffnung für Kunst und Kultur, die den unternehmerischen Alltag bereichert.

Im Interview spricht Burtscher darüber, wie das Format INN SITU den Blick auf unsere vertraute Region verändert und warum Kreativität die unverzichtbare Basis für echte Innovation ist. Der Banker verrät, warum das Hinterfragen des Status quo eine Disziplin ist, die die Wirtschaft direkt von der Kunst lernen kann – und was die neue Ausstellung des polnischen Fotokünstlers Maciej Markowicz ab dem 14. April im Innsbrucker Stadtforum so besonders macht.

Herr Burtscher, welche strategische Rolle spielt Kunst- und Kulturförderung im Selbstverständnis der BTV?

Wir sind tief in der Region verwurzelt, und zugleich wirkt unser Tun als Bank weit über diese Grenzen hinaus. Dieses Spannungsfeld prägt auch unser kulturelles Engagement, das sich in der INN SITU Galerie für zeitgenössische Fotokunst, unserer Musikreihe toninton und vielfältigen Dialogformaten ausdrückt.

Die INN SITU Galerie gibt es in ihrer heutigen Form seit 2018. Hier laden wir renommierte internationale Fotokünstler:innen ein, sich mit der Landschaft, den Menschen und den Orten in der Region auseinanderzusetzen. Die daraus entstehenden Werke präsentieren wir in Ausstellungen, die als künstlerische Reflexion dieser Begegnungen dienen. Darüber hinaus stellen wir unsere Ton Halle immer wieder für ausgewählte Kulturveranstaltungen – wie etwa den Tiroler Jazzpreis – zur Verfügung. Mit unserem Engagement für Kunst und Kultur wollen wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und einen Beitrag zu einer lebendigen, vielfältigen und offenen Kulturregion leisten.

Welchen konkreten Mehrwert generiert eine Bank von einem Format wie INN SITU?

Durch die INN SITU Galerie und auch die Ton Halle wird das Stadtforum zu einem lebendigen kulturellen Ort mitten in Innsbruck. So entsteht ein Raum, in dem Menschen nicht nur arbeiten, sondern ebenso Musik genießen oder sich von Kunst inspirieren lassen können. Tagtäglich kommen dadurch auch Menschen in unsere Bank, die keine Kundinnen sind – etwa Schulklassen oder Tourist:innen. Diese Begegnungen bereichern unseren Alltag und schaffen einen Austausch, wie er in einem reinen Bürogebäude kaum möglich wäre.

 Welche Rolle spielt Kreativität für unternehmerisches Denken und Innovation?

Innovation beginnt fast immer mit einer kreativen Idee – einer neuen Sichtweise oder einer ungewohnten Kombination von Bekanntem und Neuem. Viele der Fotografien entstehen hier in unserer Region; die dargestellten Orte oder Themen kenne ich meistens. Doch der Blick der Künstler:innen ist ein anderer – ein neuer, überraschender Blick, der mich innehalten lässt und zum Nachdenken bringt. Genau dieser frische Blick auf das Vertraute ist es auch im unternehmerischen Alltag, der uns dazu bringt, Dinge neu zu denken und innovative Lösungen zu entwickeln. Kreativität ist dabei die Grundlage, die diesen Perspektivwechsel überhaupt erst möglich macht.

Was kann die Wirtschaft von Kunst und Kultur lernen – und umgekehrt?

Ich denke, ein wesentliches Merkmal von Kunst ist das Hinterfragen. Kunst rüttelt auf, sensibilisiert und lenkt unseren Blick auf Themen oder Missstände, die wir im Alltag leicht übersehen. Dieses Infragestellen des Status quo und das bewusste Wahrnehmen von Dingen, die verbessert werden müssen, sind auch für Unternehmer:innen entscheidend. Gleichzeitig kann die Kunst von der Wirtschaft lernen, wie man Strukturen schafft, damit Ideen langfristig tragfähig werden. Kreativität braucht Freiheit – doch sie profitiert ebenso von professionellen Rahmenbedingungen, von Verlässlichkeit und von Partnerschaften auf Augenhöhe. Wenn beide Welten miteinander in Dialog treten, entstehen Impulse, die weder Kunst noch Wirtschaft allein hervorbringen könnten. INN SITU ist dafür ein schönes, lebendiges Beispiel.

Über Gerhard Burtscher: Gerhard Burtscher ist Vorstandsvorsitzender der BTV Vier Länder Bank. Unter seiner Führung setzt die BTV mit dem Kunst- und Kulturprogramm INN SITU ein markantes Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung. Als Initiator schafft die Bank gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter einen Raum, in dem innovative Impulse an der Schnittstelle von Wirtschaft und Kultur entstehen und sichtbar werden.

Über INN SITU: Die neue Ausstellung „Above the River and Under the Sky“ eröffnet am 14. April in der INN SITU Galerie im Stadtforum Innsbruck. Gezeigt werden Werke des polnischen Fotokünstlers Maciej Markowicz, die er mithilfe einer Camera obscura entlang alpiner Fließgewässer wie Inn, Lech oder dem jungen Rhein geschaffen hat. Ergänzt werden diese Landschaftsaufnahmen durch Porträts, die der Künstler im öffentlichen Raum Innsbrucks aufgenommen hat.

Die INN SITU Galerie ist Montag bis Freitag von 11:00 bis 18:00 Uhr sowie samstags von 11:00 bis 15:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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Johanna Böhm

Ehem. leitende Koordinatorin des Österreichischen Museumsgütesiegels