"Ich bin in der Königsdisziplin gelandet"


Die Powerfrau der Tagungsbranche


Kommunikativ und neugierig sollte man sein, wenn man in der Event-Branche tätig ist. Beide Voraussetzungen bringt Veronika Handl, die Leiterin des Convention Bureau Tirol, zweifelsohne mit. Man könnte zu dieser Liste allerdings noch freundlich, lebenslustig und allerlei andere Adjektive hinzufügen. Warum die quirlige Innsbruckerin so gerne für Tirol als Tagungs- und Kongressstandort Werbung macht und warum es mitunter bei der Hochzeitsplanung sogar hinderlich sein kann, wenn man aus dieser Branche kommt, erzählt sie uns im Interview.

Für alle, die es noch nicht wissen: Vielleicht erzählst du uns zu Beginn ganz kurz, was ein Convention Bureau überhaupt so macht?

Das Convention Bureau Tirol gibt es seit 15 Jahren. Es ist ein Zusammenschluss aus Anbietern der Kongress- und Tagungsbranche. Wir bündeln mit dieser Initiative Kräfte und Ressourcen, um den Tagungsstandort Tirol national und international zu positionieren und zu bewerben. Dabei nehmen wir zum einen eine impulsgebende, aber auch wichtige Vernetzer-Rolle ein. Neben diesen strategischen Aufgaben sind wir auch kostenlose Servicestelle für alle, die Workshops, Klausuren, Seminare, Teambuildings und ähnliches in Tirol organisieren wollen. Wir unterstützen zum Beispiel mit Locationtipps, überprüfen die Verfügbarkeit von Hotelzimmern oder geben Inspirationen zum Rahmenprogramm und helfen so Veranstaltungsplanerinnen und -planer, Zeit und Geld zu sparen.

Wie bist du in diese Branche und konkret in die Tirol Werbung gekommen?

Ich leite das Convention Bureau Tirol nun seit fünf Jahren. Davor war ich bereits 30 Jahre lang in der Tourismusbranche in sämtlichen Bereichen tätig: vom Reisebüro über die Airline bis hin zur Bereichsleitung bei einem großen Reiseveranstalter. Schließlich bin ich in der Königsdisziplin gelandet, der MICE-Branche (steht für Meetings, Incentives, Convention, Events = Kongress- und Tagungsbranche, Anm.). Ich bin ja Tirolerin aus ganzem Herzen, umso schöner ist es, jetzt als Botschafterin für unser schönes Bundesland zu werben.

Was hat sich in diesen fünf Jahren verändert?

In der Tagungsbranche ist in den letzten Jahren vor allem die Bedeutung von Green Meetings sehr gestiegen. Der Nachhaltigkeitsaspekt spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung unserer Kundinnen und Kunden, sprich den Veranstaltern. Aber auch bei unseren Partnern, welche die MICE-Anbieter in Tirol abbilden, hat sich das Bewusstsein für Regionalität und Nachhaltigkeit sehr verstärkt. Der Anteil der Veranstaltungsstätten, die Corporate Social Responsibility implementieren und auch leben, hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Auch die Art der Veranstaltungen verändert sich. Der Unterhaltungs- und Freizeitfaktor gerät in den Hintergrund, die Tagungen sind seriöser. Interessante Inhalte stehen im Mittelpunkt der Meetings. Und zum Schluss spielt noch das Thema Datenschutz eine immer größere Rolle.

Wie sieht es mit der Digitalisierung aus?

Im Kongress- und Tagungsbereich setzt man schon lange auf hybride Meetings – also eine Mischung aus digital und analog. COVID-19 hat diesen Trend noch einmal verstärkt und beschleunigt. Die Locations mussten sich dadurch schneller anpassen. In unserem Bereich geht es jetzt vor allem darum, Kundinnen und Kunden noch intensiver und individueller zu beraten als bisher.

Gibt es Anzeichen, dass sich dieser Trend auch nach COVID-19 fortsetzt und Tagungen bzw. Kongresse durch digitale Varianten ersetzt werden?

Der Digitalisierung-Trend hält unweigerlich in allen Bereichen und somit auch in der Tagungsindustrie weiter Einzug, jedoch werden virtuelle Veranstaltungen niemals das Liveerlebnis ersetzen. Gerade während des Lockdowns wurde nochmal vielen bewusst, wie wertvoll der persönliche Kontakt ist. Darauf wollen die Kundinnen und Kunden auch in Zukunft nicht verzichten. Hybride Formen werden verstärkt zum Einsatz kommen, etwa digital zugeschaltete Speaker z.B. aus Übersee. Wenn nicht jeder extra anreisen muss, ist dies im Sinne der Nachhaltigkeit durchaus förderlich. Es werden andere, neue Veranstaltungsformate entstehen und regionale Anfragen steigen, weil viele nicht mehr so weit reisen wollen um zu tagen. Das sind alles großartige Entwicklungen und spielen dem Tagungsland Tirol nur noch mehr in die Karten als bisher.

Wie sieht es sonst in Sachen COVID-19 aus? Schließlich wurde eure Branche ja besonders hart getroffen.

Das stimmt. Wir waren eine der Ersten, die runtergefahren wurden und sind eine der Letzten, die langsam wieder hochgefahren sind. Es ist unsere Aufgabe, unser Partnernetzwerk zu stärken und etwaigen Unsicherheiten entgegenzuwirken. Es hängen so viele Berufe an dieser Branche und gleichzeitig ist die Wertschöpfung in diesem Bereich ungleich hoch. Durch Grenzschließungen, Quarantäneregelungen und Flugeinschränkungen sind internationale Kongresse fast vollständig zum Erliegen gekommen. Momentan sind vermehrt kleinere Formate gefragt wie Workshops, Meetings oder Tagungen mit Abstand – und da bewegen wir uns vor allem im DACH-Raum. Aber unter Berücksichtigung spezifischer Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sind auch größere Veranstaltungen wieder möglich und werden auch bereits durchgeführt – eben auch häufig hybrid.

Was macht für dich den Tagungstourismus besonders?

Im Tagungstourismus fahren wir ein Ganzjahresprogramm. Viele verbinden Tirol nur mit Ski-Incentives, dabei haben wir auch im Sommer unglaublich viel zu bieten. Generell kann man sagen, dass der Kongresstourismus die Randzeiten des Individualtourismus füllt.

Und wie unterscheidet sich ein Tagungsgast vom klassischen Urlaubsgast?

Businesskunden besuchen untertags einen Kongress oder ein Seminar und bekommen daher oft von der Umgebung nicht so viel mit. In Tirol gelingt es uns aber sehr gut den Kongressbesuch und das Naturerlebnis zu verbinden. Wir erklären unseren Kundinnen und Kunden immer: In Tirol ist die Tagung nur durch eine Glasscheibe von der Natur getrennt. Es ist auch oft so, dass sich aus Tagungsgästen private Tirol-Fans entwickeln und natürlich auch umgekehrt. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Kongressteilnehmer bis zu vier Mal mehr ausgeben als Individualreisende.

Also machen Tagungs-Gäste gar kein Sightseeing?

Eher weniger (lacht). Wir bauen daher verstärkt das Bergerlebnis in die Tagungen mit ein. In Tirol kann das ja sehr gut realisiert werden - etwa bei Besuchen von exklusiven Venues, Ausflügen vor und nach den Kongressen oder bei Nachmittags-Aktivprogrammen.

Wodurch zeichnet sich Tirol als Tagungs- und Kongressort deiner Meinung nach aus?

Wir positionieren uns als begehrtester Tagungskraftplatz der alpinen Welt und ich finde, das bringt es auf den Punkt. Die Natur, die frische Luft, das Entschleunigende – sogar in der Stadt. Das macht Tirol im internationalen Vergleich einzigartig. Darüber hinaus schätzen unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch die Tiroler Herzlichkeit. Das ist wahrscheinlich unsere Tourismus-DNA (schmunzelt). Und ein großer Vorteil sind die kurzen Wege im doppelten Sinn: Einmal im wahrsten Sinne des Wortes, weil bei uns viel zu Fuß erreicht werden kann. Und einmal im Sinne der guten Kontakte. In Tirol kennt halt jede jeden.

Bist du privat auch die Organisatorin oder ist das wie bei Köchinnen und Köchen, die zuhause nicht mehr kochen wollen?

(lacht). Nein, meine Freundinnen, Freunde und Verwandten sagen mir nach, dass ich auch privat sehr strukturiert und durchgeplant bin – vielleicht oft ein bisschen zu sehr. Eine kurze Anekdote: Ich werde demnächst heiraten und da kann es auch kontraproduktiv sein, aus dieser Branche zu kommen, weil man Gefahr läuft, es mit dem Planen zu übertreiben. Einfach auch, weil ich weiß, was alles möglich wäre. Vermutlich ist es besser, wir machen einfach ein Gartenfest!

Was ist deine absolute Lieblings-Eventlocation in Tirol?

(überlegt) Ich würde sagen, jeder Platz, der hoch oben ist und eine tolle Aussicht bietet.

Ihr habt ja in eurem Team eine Frauenquote von 100% - ist die Eventbranche generell frauendominiert?

Ja, das ist tatsächlich so!

Woran könnte das liegen?

Vielleicht, weil Frauen sehr kommunikativ und neugierig sind – das ist in dieser Branche gefragt. Außerdem haben wir ein gutes Fingerspitzengefühl was die Pflege von Beziehungen angeht. Mir ist es generell ein großes Anliegen, Frauen in der Branche zu unterstützen und junge Frauen zu fördern, Kind und Karriere vereinbaren zu können.

Bei dir hat das ja anscheinend funktioniert. Wie?

Ich habe immer in Vollzeit gearbeitet, das war stets mein Anspruch. Funktioniert hat es dank der Unterstützung meiner Familie, der Flexibilität der Arbeitgeberinnen und -geber und natürlich dank entsprechender Betreuungseinrichtungen.

Ihr seid mit eurem Team relativ eigenständig innerhalb der Tirol Werbung? Welche Vor- und Nachteile bringt das?

Dadurch, dass wir ausschließlich im B2B-Bereich tätig sind und unsere Marktaktivitäten mittels  externer Mitgliedsbeiträge finanziert werden, betreiben wir eigenes MICE-Marketing und können autonom agieren. Der große Vorteil durch die Einbindung in der Tirol Werbung liegt darin, dass wir einerseits unser umfassendes Know-How innerhalb der Lebensraum Tirol Holding zur Verfügung stellen und gleichzeitig von der Expertise der anderen Teams profitieren. Wir befinden uns mit den Kolleginnen und Kollegen im stetigen Austausch. Es ist schön in einem Umfeld tätig zu sein, in dem die branchenspezifische Kompetenz und Expertise jeder Einzelperson und jedes Teams nicht nur gefragt und wertgeschätzt wird, sondern vor allen Dingen zum Gesamterfolg Tirols beiträgt.

Steckbrief

Name: Veronika Handl

Alter: 48

Wohnort: Innsbruck

Hobbys: Reisen, Kochen, Lesen, Wandern, Zeit mit Familie sowie Freunden und Freundinnen

Das gefällt mir an Tirol: Jede kennt jeden, die zentrale Lage und die gelebte Herzlichkeit der Tirolerinnen und Tiroler

Meine Aufgaben in der Tirol Werbung:
Teamleitung Convention Bureau Tirol

Immer mit einem breiten Lächeln im Gesicht - so kennt man Veronika auch in der Arbeit.

Frauen in der Branche zu unterstützen ist Veronika ein großes Anliegen - auch das Convention Bureau ist zu 100 % weiblich besetzt.

"Die kurzen Wege machen Tirol als Tagungsort so attraktiv", findet Veronika

Veronika ist viel beruflich viel unterwegs, aber auch privat zählt das Reisen zu ihren Lieblingshobbys.

A Innsbrucker Madl - Veronika lebt seit ihrer Kindheit in der Tiroler Landeshauptstadt.

Ihre Freizeit verbringt Veronika am liebsten mit Freunden, Freundinnen und Familie - wie hier mit ihrer Tochter.