privat

"Es gibt wenig Sachen, die ich öfter als dreimal mache"


Der IT-Quereinsteiger für alle Fälle


Mehr Generalist als Spezialist - so würde Thomas Apolloner seinen Job in der IT beschreiben. Dass zu seiner Jobbeschreibung dabei auch verlorene Handys am Gletscher und Nagelfeilen in CD-Slots gehören, war dem BWL-Student wohl noch nicht bewusst, als er vor zehn Jahren den Weg in die IT einschlug. Allerdings macht es ihm so viel Spaß, dass er sich auch zuhause noch mit dem Thema beschäftigt.

Wie erlebst du als IT-Experte diese Zeit, in der Online-Konferenzen und Teleworking so einen Auftrieb bekommen haben?
Die Coronakrise ist ein Beschleunigungsfaktor. Die Leute sind flexibler und sie kommen in diese Themen schneller rein, das erleichtert unsere Arbeit. Der IT-Transformationsprozess wurde beschleunigt und treibt das ortsunabhängige Arbeiten voran. Das geht in die richtige Richtung. Man kann sich das so vorstellen: Du stehst an einem Fluss und überlegst, wie du am besten rüberkommst. Und plötzlich kommt einer und schubst dich einfach rein. Dann muss man schnell schwimmen, alles geben, um nicht abzutreiben oder gar unterzugehen.

Du bist ja doch schon ein Weilchen bei der Tirol Werbung. Was hat sich denn in den letzten 10 Jahren in deinem Bereich verändert?
Die Komplexität ist gestiegen, es ist alles kurzlebiger. Smartphones sind ja erst nach und nach rausgekommen und haben eine rasante Entwicklung durchgemacht. Heute haben Leute mit der IT Schnittstellen, die das vor einigen Jahren noch nicht hatten. Wir müssen immer mehr Sachen berücksichtigen, Sicherheit ist auch ein ganz großes Thema geworden. Für die Mitarbeiter*innen sinkt die Komplexität zwar, weil die Lösungen immer benutzerfreundlicher werden, aber alles was die Benutzer nicht sehen, wird trotzdem im Hintergrund von uns geregelt.

Die Aufgaben sind also mehr geworden?
Ja, die IT ist heute in viel mehr Lebensbereiche eingedrungen: Statt Schlüsseln haben wir Chip-Karten, das digitale Flipchart und die Telefonanlage brauchen monatliche Sicherheitsupdates – alles in allem ein umfassenderes Aufgabengebiet.

Wie bist du denn in diesem Beruf gelandet?
Eigentlich habe ich BWL studiert und dabei nebenbei im Statistikbereich gearbeitet. Dann habe ich auf Projektbasis für die ACP bei der Sandoz gearbeitet, wo ich bei einem sogenannten Roll-Out mitgeholfen habe. Das war dann mein Einstieg in die IT-Welt.

Und wie kamst du zur Tirol Werbung?
In der Tirol Werbung war damals eine Stelle in der IT ausgeschrieben. Davon habe ich über meinen damaligen Arbeitgeber erfahren, der auch die Tirol Werbung betreut hat. Das vorangehende Projekt war abgeschlossen, die Tirol Werbung hat einen sehr klingenden Namen und ist ein renommiertes Unternehmen. Mir hat das gut getaugt: Das Betriebsklima, das Aufgabengebiet, das ja sehr breit und abwechslungsreich ist. Meine Kolleg*innen und ich betreuen nicht nur zwei, drei Spezialgebiete, sondern die gesamte IT und ich bin dadurch viel mehr Generalist als Spezialist, aber das ist sehr erfrischend. Ich arbeite mit Mitarbeiter*innen aus allen Fachbereichen zusammen. Es gibt wirklich wenig Sachen, die ich öfter als dreimal mache – außer vielleicht Emails beantworten, aber da schreibe ich ja auch nicht immer das Gleiche (lacht).

Macht es einen Unterschied, ob man die IT in einem Tourismus-Unternehmen oder bei einer Großmetzgerei macht?
Im operativen Bereich nur am Rande, da macht es einen Unterschied, ob man in einem technischen oder nicht-technischen Unternehmen arbeitet. Aus strategischer Sicht gibt es mehr Unterschiede. Mir hat meine betriebswirtschaftliche Grundausbildung auf alle Fälle nicht geschadet, da würde ich mich als reiner Techniker hier schwer tun. Ich selbst bin in die IT ja eher reingewachsen, ein Quereinsteiger.

Wo siehst du die Herausforderungen, die in nächster Zeit bzw. in den nächsten Jahren auf dich und dein Team zukommen?
Eine große Herausforderung ist definitiv die Homogenisierung innerhalb der Lebensraum Tirol Holding, die derzeit stattfindet. Aber auch die Digitalisierung. Die ist jetzt seit 20 Jahren ein Dauerthema, also eigentlich nichts Neues, aber es gibt immer noch viel zu tun. Und das dritte Stichwort heißt „Modern Workplace“: Die Leute arbeiten heute zu jeder Zeit, von jedem Ort und mit verschiedenen Geräten. Früher hatten wir Wartungsfenster, also Zeiten in denen die Menschen nicht arbeiten und wir Updates und Ähnliches einfacher vornehmen konnten. Die wurden immer kleiner, weil die Menschen flexibler über den Tag verteilt arbeiten, fast schon rund um die Uhr.

Die Leute, die jetzt frisch ins Berufsleben starten, sind großteils Digital Natives. Erleichtert das deine Arbeit?
(überlegt) Nicht unbedingt, ich sehe zwar schon mehr Bewusstsein für Digitalisierung oder eine höhere Anpassungsfähigkeit bei IT-Veränderungen. Aber nur weil man beispielsweise in Innsbruck zwischen Bergen aufwächst, ist man deswegen ja auch noch kein Alpinist oder erfahrener Kletterer. Man muss da unterscheiden zwischen alltäglichen digitalen Fähigkeiten, wie Youtube-Schauen und Datenschutzhinweise wegklicken und beruflich nützlichen Fähigkeiten. Eine fundierte EDV-Ausbildung in der Schule ist durch nichts zu ersetzen.

In zehn Jahren in der IT-Abteilung passiert sicher auch viel Skurriles. Was sind denn so deine Highlights?
(lacht). Also zunächst einmal: Wenn in der Tirol Werbung Handys verloren wurden, dann passierte das oft an Orten wie Skiliften oder am Gletscher. Außerdem hat mir jemand einmal ein Handy mit einem Wasserschaden gebracht und in die Hand gegeben. Da habe ich die Person gefragt: „Das ist dir eh nicht ins Klo gefallen?“, worauf sie meinte, „doch, genau das ist passiert“. Und ich kann mich an eine Geschichte erinnern, bei der eine SD-Karte in den integrierten CD-Slot gefallen ist und die Mitarbeiterin versuchte, sie trotz eingeschaltetem Strom mit der Nagelfeile zu bergen. Gott sei Dank ist nichts passiert (lacht).

Bist du zuhause und im Verwandten- und Freundeskreis auch der „IT-Experte“ – also der bei jedem technischen Problem ausrücken muss?
Ja, das ist ein großes Missverständnis. Im Familienumfeld und im Freundeskreis halte ich für alles her, was technisches Grundverständnis erfordert. Senderlisten am TV und Auto-Multimedia-Systeme sind aber nicht die Kernkompetenzen eines IT-Administrators.

Aber sonst bist du privat schon auch computerfanatisch?
Fanatisch würde ich jetzt nicht sagen (lacht). Aber ich würde IT schon als mein Hobby bezeichnen. Wenn ich fertig bin und die Kinder ins Bett gebracht habe, dann lese ich noch die IT-News und schaue, was es Neues gibt. Ich beschäftige mich gern damit.

Zählen dazu auch stundenlange LAN-Partys?
(lacht) Nein, ich spiele kaum mehr, dazu ist die Zeit zu knapp. Früher in meiner Studienzeit habe ich mehr gespielt, aber da ging es oft auch mehr um den Austausch mit anderen. Heute ist mein Lieblingsspiel „Ori and the Blind Forest“, das kommt von einem österreichischen Entwickler und ist ein wirklich gutes, sehr atmosphärisches Spiel.

Und wie sieht es bei dir mit Social Media aus?
Ich bin gar nicht mehr auf Social Media, das hat sich verloren. Social Media kam ja erst auf, als ich in den 20ern war, als ich 17 war gab es gerade einmal ICQ, später dann StudiVZ. Den Sprung auf Facebook habe ich dann nicht mehr mitgemacht und als Tinder rauskam, war ich schon verheiratet (lacht).

Steckbrief

Name: Thomas Apolloner

Alter: 39

Wohnort: Innsbruck

Hobbys: Mountainbiken, Laufen, Reisen, Computer, Filme

Das gefällt mir an Tirol: die Nähe zwischen den Bergen und dem urbanen Lebensraum, die zentrale Lage in den Alpen

Bei der Tirol Werbung: seit 2011

Meine Aufgaben in der Tirol Werbung: IT-Leitung

Wenn Thomas mit seinen Kindern beschäftigt ist, bleibt natürlich keine Zeit für den Computer!

Reisen zählt zu Thomas' Lieblingshobbys. Egal ob hier in Eraclea (Italien)...

... oder weiter weg, wie hier in Koh Phi Phi in Thailand.

Aber auch in Tirol, genauer gesagt in Osttirol, genießt Thomas die Natur und die Bewegung im Freien.

Und was könnte es für einen besseren Ausgleich für einen Tag vor dem Computer geben als eine Runde mit dem Mountainbike. Hier ist der IT-Profi gerade in Südtirol unterwegs.