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Tirol Touristica Award



Preisträger


Preisträger 2012


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Dr. Heinrich Klier

Ein Leben wie ein Roman.

Literat und Alpinist, Holzknecht und Journalist, Seilbahner und politischer Aktivist, Familienmensch und Unternehmer. Es gäbe noch viele „Verkleidungen“, die einem zu unserem Preisträger einfallen. Allerdings, Verkleidungen waren es nie. Es sind Stationen eines Klugen, Interessierten, Ruhelosen und Engagierten. Stationen eines Lebens, das natürlich auch durch die Fährnisse eines 20. Jahrhunderts geprägt ist, von Kriegs- und Nachkriegsjahren, von Entbehrung, Aufbruch und Aufbau.

Nach der sorglosen Kindheit im heimatlichen Zirl kam der 1926 Geborene ans Angerzellgymnasium in Innsbruck, wo er, wie er sich selbst erinnert, eher autoritäre Lehrer antraf. Wie so viele junge Männer seiner Generation ereilte den 17-Jährigen die Einberufung in die Wehrmacht. Den Wahnsinn des Kriegsendes bekam der junge Bursch hautnah mit, als er nach dreiwöchiger Ausbildung – „wir wussten nicht einmal, wie man eine Maschinenpistole bedient“ – zur Bekämpfung der Partisanen ins Ex-Jugoslawien geschickt wurde. Diese Erlebnisse, die viele junge Männer damals traumatisierten, verarbeitete der Geehrte später literarisch in seinem Roman „Feuer am Farran-Firn“.

Ab Herbst 1945 durfte der junge Mann dann studieren, eine für ihn eher trockene Angelegenheit, endete die deutsche Literatur damals an der Universität Innsbruck doch bei Hebbel. Erst später entdeckte er die großen Werke der Moderne für sich. Karriereplanung – ein Wort, das heute vielfach verwendet wird. Der junge Dr. phil., der in Innsbruck und London Philosophie und Sprachen studierte, hielt aber nichts von einer linearen Karriere. Zum Einen standen seine vielen Interessen im Wege, und zum Anderen musste er ans Geldverdienen denken, denn die neu gegründete Familie wuchs mit drei Kindern schnell.

Die Liebe zu den Bergen paarte sich bei ihm schon früh mit seinen literarischen Ambitionen. Auf Reisen durch Nord- und Südamerika, Afrika und Asien sammelte er Lebenserfahrungen. Gipfelexpeditionen wie die 1957 erfolgte Erstbesteigung der mehr als 6.000 Meter hohen Jirishhanca („Matterhorn von Südamerika“) kamen seinem Ehrgeiz und Leistungswillen entgegen. Immer wieder flossen seine Erlebnisse in Romane, Hörspiele, Erzählungen, Reiseberichte. Er wurde u.a. mit dem Lyrikpreis der Stadt Innsbruck und einem Wiener Romanpreis ausgezeichnet. Auch im Rundfunk, in Radio Tirol, war er in den 50-er Jahren präsent: „Für den Bergfreund“ und „Heimat an Etsch und Eisack“ hießen die Sendungen, die Heinrich Klier – denn, wie die meisten von Ihnen wahrscheinlich schon erraten haben, ist er unser Tirol Touristica Preisträger für sein Lebenswerk – schließlich auch zu einem entscheidenden Wendepunkt seines Lebens brachten.

Er kam in Kontakt mit den Südtiroler Aktivisten, die sich für die Freiheit des Landes südlich des Brenners einsetzten. Die Sprengung des Mussolini-Denkmals in Waidbruck bedeutete für ihn 20 Jahre Haft in Italien, die er aber nie antrat, weil er zunächst in Innsbruck nicht verfolgt wurde. 1961 allerdings musste er auch Innsbruck verlassen und ging nach München ins Exil. Dort arbeitete er als Schriftleiter eines Verlags und später auch als Chefredakteur einer Wintersportzeitung. 1964, nach seiner Begnadigung beim so genannten Grazer Prozess, war die Rückkehr nach Innsbruck möglich. Der italienische Staatspräsident Luigi Scalfaro begnadigte Heinrich Klier ebenso wie andere Aktivisten im Jahr 1998.

In seinen „Münchner Jahren“, als seine Lebensgeschichte bereits genügend Stationen für einen Roman aufwies und er mit Mitte 30 nicht mehr zu den ganz Jungen zählte, begann seine Befassung mit dem Tourismus. Sein Bruder Hubert, der in Walchsee lebte, bat ihn, den Walchseer Schlepplift in der Zeitschrift „Der Winter“ zu bewerben. Heinrich Klier wusste es wieder einmal besser – und war schon mittendrin in einer neuen Karriere. Er erkannte nämlich schon damals, dass mit einem kleinen Schlepplift keine großen touristischen Sprünge zu machen sind. Er riet den Walchseern, in größeren Dimensionen zu denken. Das war im Olympiajahr 1964 die Geburtsstunde der Wintersport AG. Und nach einer größeren Bahn in Durchholzen und mehreren Investitionen im Tiroler Unterland fand der junge Seilbahner Interesse am Glungezer, der damals schon bei den Münchnern als Skitourenberg sehr beliebt war. Die Glungezer-Lifte waren ein Erfolg, aber Klier erwies sich wieder als weitsichtig, als er erkannte, dass schneearme Winter zu einem Problem werden könnten. Was tat er also? Er öffnete die Augen – von der Bergstation Tulfein sah er die Stubaier Gletscher, die er bereits als Verfasser des Alpenvereinsführers kennengelernt hatte.

Er sah und wusste: das hat Zukunft! 1971 begann die Gletschererschließung für den ganzjährigen Sport- und Freizeittourismus. „Lasst’s ihn die Straße nur bauen, nachher isch er eh pleite.“ Die Stubaier erwiesen sich als Pragmatiker, die Straße wollten sie. Nur das mit dem Ganzjahrestourismus am Gletscher sahen sie eher skeptisch.

Ein echter Pionier, und Heinrich Klier ist ein solcher, lässt sich aber von Skepsis nicht beirren, im Gegenteil. Sie fachte seinen Ehrgeiz noch an. Die Straße von Ranalt zur Mutterberg Alm wurde unter schwierigsten Bedingungen gebaut, es folgten mehrere Lawinengalerien und –abfangdämme, und das alles ohne Zuschuss der öffentlichen Hand. Fazit: am Stubaier Gletscher gibt es kaum Lawinensperrtage.

Und das Skigebiet am Stubaier Gletscher wuchs und wandelte sich. In den 44 Jahren als Vorstand der Wintersport Tirol AG schuf Klier hier nicht nur das größte und modernste Ganzjahresskigebiet Österreichs mit 24 Anlagen. Es entstand auch eine große Freizeitanlage für mehr als eine Million Gäste im Jahr in einem der faszinierendsten Naturräume mit Restaurants, einer spektakulären Aussichtsplattform, einer architektonisch viel beachteten Bergstation Eisgrat auf fast 3.000 Metern Seehöhe, mit Sportartikelbetrieben, u.a. auch in Innsbruck, sowie dem Hotel Happy Stubai in Neustift. Für 460 Mitarbeiter wurden großteils Ganzjahresarbeitsplätze geschaffen, und ein modernes Wohnhaus in Neustift i. Stubaital bietet vielen von ihnen Wohnungen an.

Heinrich Klier – ein Unermüdlicher, ein Kämpfer, aber vor allem auch ein Leidenschaftlicher, der seine Heimat liebt und kompromisslos ist, wenn es um professionelles Arbeiten und Wirtschaften geht. Mit 85 Jahren gab er 2011 den Vorstandsvorsitz an seinen jüngsten Sohn Reinhard ab, der schon seit geraumer Zeit in der Wintersport AG tätig ist. Man kann gewiss sein, dass Klier, der sich seit 2006 auch Ehrenbürger der Gemeinde Neustift im Stubaital nennen darf und 2008 mit dem Ehrenzeichen des Landes Tirol ausgezeichnet wurde, den Ruhestand nicht als Stillstand begreifen wird. Das würde zu seinem Lebensroman nicht passen.

Herzliche Gratulation an Heinrich Klier, den Preisträger des Tirol Touristica 2012 für sein touristisches Lebenswerk.