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02.08.2010
Ein Redakteur und seine Familie, eine Sekretärin, ein Touristiker, sie alle sind ausgezogen, um in Tirol Senner zu werden. Wie man es schafft, eine Alm zu bewirtschaften und Kühe zu melken, kann man in einem Kurs lernen. Was den Sennerjob dann zum Traumberuf macht, erzählen die „Almerer“ aber am besten selbst.
Tirols Senner sind die Cowboys der Bergwelt: Jedes Jahr satteln sie aufs Neue ihr Pferd - pardon! - ihre Rinder und treiben sie hinauf auf die grünen Almwiesen. Sie selbst beziehen ihre Almhütten, leben während der Sommermonate in den Bergen, kümmern sich um die Instandhaltung der rund 2150 Almen, die es in Tirol gibt und füttern die Tiere.  Erst wenn der Herbst ins Land zieht, kehren sie ins Tal zurück.


Zwanzig Sommer in den Bergen

Das klingt romantisch, hat aber mit Sommerfrische nichts zu tun und ist mit jeder Menge Arbeit verbunden, erzählt einer, der es ganz genau wissen muss. Almbauer Sepp Kahn, ein Urgestein unter den Sennern. Der „Oslbauer" aus Itter, wie Sepp Kahn noch genannt wird, verbringt seit 20 Jahren jeden Sommer auf seiner Lärchenbergalm. Er genießt die Freiheit, die ein Leben in den Bergen, auf einer Alm mit sich bringt. „Natürlich muss man sich um die Tiere kümmern, das schränkt ein bisschen ein. Aber man kann es sich einteilen und dann kann man die Freiheit in der Natur leben." Bis man ein richtiger Senner wird, dauert es. „Dafür muss man schon ein paar Monate, wenn nicht sogar über mehrere Sommer auf der Alm leben", sagt Sepp Kahn.


Ein Kurs zum Almglück

Ein guter Anfang auf dem Weg zum Senner ist auf jeden Fall der „Grundkurs für Hirten und Almpersonal", der jährlich im Frühjahr vom Almwirtschaftsverein und dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) angeboten wird. Für einen Selbstbehalt von €100 können sich Interessierte an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt (LLA) Weitau in St. Johann/Tirol (http://www.lla-stjohann.tsn.at/) ein Grundwissen im Melken, Tierumgang, zu Krankheitsbildern oder auch zu Melkanlagenwartung  aneignen. Die einwöchigen Kurse sind gut besucht und bilden eine gute Basis für einen Sommer auf der Alm, weiß Josef Lanzinger von der Landwirtschaftskammer Tirol. „Rund 25 Teilnehmer hatten wir letztes Jahr. Sie kommen aus ganz verschiedenen Berufssparten und möchten ihr normales Leben gerne gegen einen Sommer auf der Alm eintauschen." Wie Sandra, die Sekretärin aus Belgien, die in ihrem Job viel zu wenig Nähe zur Natur hat. Oder Georg, der Tiroler, der durch in der Arbeit als Senner einen Ausgleich zu seinem stressigen Tourismusjob während der Wintersaison sucht. Bevor es auf die Alm geht und die Neo-Senner ganz alleine für die Tiere verantwortlich sind, verbringen sie noch Zeit am Hof des Bauern, dessen Tiere sie betreuen. So können sie sich an ihre Schützlinge gewöhnen und gewinnen einiges an Praxiserfahrung dazu. Käsen und Buttern lernt man in dem Kurs übrigens nicht - das ist eine ganz spezielle Ausbildung, vergleichbar mit einer Lehre und bedarf viel mehr Zeit, erklärt Josef Lanzinger. Aber wer weiß, vielleicht bleibt der ein oder andere Senner der Alm treu und zaubert schon bald g'schmackigen Almkäse?


Großstadtfamilie im Anmarsch

Im letzten Sennerkurs an der LLA Weitau saßen auf jeden Fall vier ganz besondere Teilnehmer: Stefan Hanf, ZDF-Redakteur aus Rheinhessen und seine Familie lernten dort, wie man richtig Kühe melkt und die Tiere umsorgt. Im Rahmen des TV-Projekts „Almsommer" tauschten sie das Großstadtpflaster gegen grüne Almmatten. Die Idee dazu kam dem Journalisten während einer Wanderung, als er an einer Alm vorbeikam, auf der ein Vater mit seinem Sohn lebte. „Ich fragte mich: Könnten wir das auch?" Dieser Frage geht er jetzt gemeinsam mit seiner Frau Elke Heydecke und seinen Kindern Paul (13) und Emma (11) in Tirol auf den Grund. Ende Mai bezogen sie ihr Quartier auf 1500 Metern und fanden für die ersten Wochen auf der Alm den idealen Lehrmeister: Sie waren bei Sepp Kahn auf der Lärchenbergalm zu Gast und unterstützen den Tiroler Senner dort tatkräftig. Der Wechsel vom komfortablen Leben in der Stadt zum Leben in einer 300 Jahre alten Alm fiel Familie Hanf-Heydecke nicht schwer: „Diese Umstellung auf weniger Komfort war gar nicht schwierig. Es gibt ja alles, was wir brauchen, man muss nur besser planen", erzählt Stefan Hanf. Viel schwieriger sei der Wechsel der Arbeit gewesen: „Unser Tag beginnt um halb sechs und endet um acht Uhr abends, da sind wir dann wirklich müde", gibt er zu und zollt den Sennern Respekt. „Aber ich mag die Arbeit, das Melken, auch das Stallausmisten. Da sieht man ein Ergebnis."  Den schönsten Lohn für seine Arbeit erhält Stefan Hanf tagtäglich: Diesen blauen Himmel, diese Aussicht, die Natur -  das kann man für Geld nicht kaufen."

Den Kindern macht das Almexperiment ebenfalls Spaß. Tochter Emma ist „für alles zu begeistern, „wenn nur Tiere dabei sind", erzählt Stefan Hanf. Bei Sohn Paul war etwas Überredungskunst nötig, mittlerweile ist der erste Almkoller aber überwunden und der 13-Jährige hat sich in den Tiroler Bergen gut eingelebt.

Anfang August zieht die vierköpfige Familie weiter, auf die Farnkaseralm-Hochleger auf 2000 Meter. Dort sind sie für 65 Jungrinder verantwortlich - alleine! Davor hat Stefan Hanf Respekt, gibt er zu. Bis im September will die Familie aber auf jeden Fall durchhalten und weiterhin als „Almerer" ihr Bestes geben, um dann beim traditionellen Almabtrieb dabei zu sein.


Von ihren Erlebnissen mit Lieblingskühen, Rahm-Miasl, Sepp Kahn oder dem wilden Pudel berichtet Familie Hanf-Heydecke in ihrem Blog http://blog.zdf.de/almsommer/



Nähere Informationen: Tirol Info, Tel. +43.512.7272-0, info@tirol.at, www.tirol.at.

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Textredaktion: Rosanna Battisti

Wildromantische Almen sind in Tirol überall zu finden. (Foto: Tirol Werbung, Abdruck honorarfrei)
Redakteur Stefan Hanf hat die Großstadt mit der Alm getauscht. (Foto: Macondo Medien Filmproduktion GmbH, Abdruck nur mit Genehmigung)