In Zeiten größerer Unsicherheiten haben Prognosen Konjunktur. Düstere Kommentare von selbsternannten Wirtschaftspropheten, die den europäischen Abschwung herbeireden, sind derzeit im Aufschwung. Wer Medien und
veröffentlichte Meinung konsumiert, tut sich zunehmend schwer mit Vertrauen und Optimismus in die Zukunft zu denken. Mit diesen negativen Konsequenzen ihres Tuns wollen „Untergangspropheten“ allerdings nichts zu tun haben.
Ähnlich verhält es sich rund um die Zukunftsszenarien unseres Wintertourismus. Wenn – wie heuer passiert – schöne Herbstwochen den herbeigesehnten Winterstart überlagern, werden allzu schnell wieder düstere
Bilder gezeichnet. Und wenn sich „Experten“ dann zu Aussagen versteigen, dass nur einige wenige Skigebiete in Tirol am Ende dieses Jahrhunderts übrig bleiben, dann gewinnt Spekulationslust und die Gier nach Schlagzeilen
die Oberhand über das kritische Refl ektieren der Realität.
Selbstverständlich geben aktuelle Entwicklungen auch Anlass zur Sorge. Der gesellschaftliche Wandel bringt es mit sich, dass viele Bevölkerungskreise nicht mehr quasi
automatisch mit der Faszination Schnee bzw. der Bewegung im alpinen Raum in Berührung kommen. Zu groß sind die Konkurrenzangebote der expandierenden Freizeitindustrie, der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden. Aber auch das Mehr an Komfort und die steigende Notwendigkeit der Produktion von Schnee haben die Kosten am Skiberg deutlich erhöht. Damit steigt einerseits die Gefahr, dass der Wintertourismus zunehmend exklusiver wird, aber andererseits auch die Motivation eine wichtige Leitidee für die Zukunft –„Bring Kids back on snow“ – mit vielen Initiativen zu fördern.
Der Blick in die jüngste Geschichte des Wintersports lässt auch in diesem Zusammenhang keine allzu düsteren Prognosen zu – ganz im Gegenteil. Seit über 100 Jahren erlebten viele Generationen beim Durchmessen des weißen Raums unvergessene Momente des Glücks. Und diese Faszination hat auch in der Gegenwart nichts von ihrer Kraft verloren.
Wenn es stimmt, dass die positive Zukunft einer Branche in erster Linie von ihrer Innovationsfähigkeit abhängig ist, dann lassen sich viele Erfolgsmomente festhalten: etwa die Individualität, den Lifestyle sowie die Kreativität der Jugend rund um die Snowboardbewegung, New School Skiing und Free Riding – eine Entwicklung, die zeigt, dass unsere Berge auch für kommende Generationen chic und trendig bleiben. Oder die Anziehungskraft des Skitourengehens, ein Bereich, der der Sportartikelindustrie jüngst höchste Zuwachsraten beschert. Oder Innovationen wie das Skating bzw. die neue Attraktivität des gesamten nordischen Skisports, der in Summe vom steigenden Gesundheitsbedürfnis der Bevölkerung getragen wird und sich auch durch beste TV-Einschaltquoten von Langlauf- und Biathlon-Weltcuprennen belegen lässt. Natürlich müssen wir gemeinsam alles tun, um die stagnierende Menge begeisterter und aktiver Wintersportler voll auszuschöpfen. Kumuliert man die Ergebnisse aktueller Erhebungen, so lässt sich das Potenzial in den Kernmärkten Europas aber jedenfalls auf beachtliche 30 bis 40 Millionen Menschen einschätzen, die sich für Wintersport begeistern lassen. Und natürlich liegen auch in der Internationalisierung – im Ansprechen neuer Gäste aus Zentraleuropa, dem Nahen Osten, in Asien – Chancen, die Tirol längst auch nützt. So konnten etwa die Rückgänge an deutschen Gästen von rund zwei Millionen Nächtigungen durch erfolgreiche Internationalisierung in den vergangenen Jahren mehr als kompensiert werden. Der größte Markt und somit die größten Chancen liegen für uns aber weiterhin direkt vor unserer Haustür. Bis zu 1.000 Kilometer um uns herum, nur wenige Stunden der Anreise entfernt, liegt das durchaus zukunftsfähige Potenzial von Gästen, die wir zum Teil auch wieder neu für die vielfältigen Winterfreuden aktivieren müssen. Ausreichend Bettenkapazitäten haben wir dabei mit Sicherheit erreicht, dringend gewünscht sind in diesem Zusammenhang hingegen neue Initiativen für „Nachwuchs“, wie es etwa mit der AREA 47 im Sommertourismus gelungen ist. Warum aber nicht mit spannend inszenierten Outdoor-Camps auch im Winter begeistern? Mit perfekten neuen Angeboten wird der Blick auf das Bekannte jedenfalls immer wieder frisch justiert und damit auf einen Schlag wieder interessant, manchmal gar exotisch. Tirols authentischer Werbeauftritt mit dem Statement „So nah, so fern“ , zuletzt mit dem deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet, kann zur Erfolgsformel werden. Der Winter-, aber auch der Sommertourismus im Nahraum gewinnt jedenfalls nicht erst seit den steigenden Energiekosten wieder an Image und Wert.

Jammern verboten, volle Kraft voraus – so muss unser Motto in Tirol daher lauten!