Die Geschichte des Tiroler Tourismus


Tirol ist dank seiner günstigen Lage zwischen Deutschland und Italien immer schon auf die Bewirtung von Reisenden eingestellt. Bereits vor mehreren hundert Jahren gibt es Gasthäuser und Herbergen entlang der wichtigsten Verbindungswege. Werden die Berge Tirols damals noch als Hindernis für den Reiseverkehr gesehen, entwickeln sich diese mit der Zeit zum wichtigen Urlaubsmotiv für Touristen. Heute zieht das Land fast elf Millionen Gäste pro Jahr an.

Um 1800

Trachtenbilder machen neugierig auf Tirol (um 1800)

Bildungsreisende entdecken Tirol und besuchen das Land, um mehr über dessen Natur, die Sitten und Gebräuche der Bewohner zu erfahren. Vor allem Engländer wollen die Landsleute des Freiheitskämpfers Andreas Hofer kennenlernen.

Mitte des 19. Jahrhunderts

Werbeprospekt des Bades Weitlanbrunn im Pustertal

Die Sommerfrische zieht immer mehr Bürger während der heißen Sommermonate aus der Stadt zur Abkühlung in die Tiroler Bergwelt.

Die ersten Reiseführer für Tirol erscheinen.
Gleichzeitig entwickeln sich alte Tiroler Bauernbäder dank ihrer heilkräftigen Quellen zu international besuchten Kuranstalten.

1860-1900

Beim Bau der Brennerbahn (1865/66)

Neben der Sommerfrische und dem Bäderwesen wird der Alpinismus zum zweiten touristischen Standbein. Der Ötztaler Pfarrer Franz Senn leistet Pionierarbeit bei der Erschließung der Tiroler Bergwelt durch Wege und Hütten.

Die Eröffnung der Brennerbahn und der Bau anderer wichtigster Eisenbahnlinien (1867-1884) erleichtert die Anreise nach Tirol und treibt die touristische Entwicklung massiv voran.

Um die Bedürfnisse der Reisenden besser zu erfüllen, beginnt sich die Tourismusbranche zu organisieren. Die ersten Verschönerungsvereine entstehen. Die ältesten gehen auf die Jahre um 1870 zurück. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Pflege von Spazierwegen und Parks oder die Errichtung von Rastbänken.

1889 wird ein Landesverband aller touristischen Vereine und Einrichtungen wird gegründet, die Vorläuferorganisation der Tirol Werbung (siehe auch Unternehmen – Geschichte).

Um 1900

Erstes Damenskirennen in St. Anton am Arlberg (1904)

Die Wintersaison wird für den Tourismus „entdeckt“. Ein gutes Dutzend Orte lädt zur Jahrhundertwende zu Aktivitäten wie Skilauf, Eislauf oder Rodelpartien. Allerdings gelingt es vor dem Ersten Weltkrieg nur wenigen Orten, diese zweite Saison zu einem bedeutenden Standbein auszubauen. Die wichtigsten Winterdestinationen sind Kitzbühel und St. Anton am Arlberg. Dort wird 1901 auch der erste Skiclub gegründet.

1910

Der Tourismus hat sich zu einem wichtigen Eckpfeiler für Tirols Volkswirtschaft entwickelt. Der Landtag trägt dieser Entwicklung Rechnung und erlässt ein Fremdenverkehrsgesetz, ein Novum in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Darin sind die wichtigsten Fragen zum Fremdenverkehr und seiner Förderung geregelt.

Erster Weltkrieg (1914-1918)

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 hat auch für den Tourismus verheerende Folgen. Für Tirol besonders fatal ist die Abtrennung des touristisch deutlich besser entwickelten südlichen Landesteils (Südtirol). Erst Mitte der 1920er Jahre kommt es wieder zu einer Normalisierung der Verhältnisse.

Zwischenkriegszeit

Prospekt der 1927 erbauten Kitzbüheler Hahnenkammbahn

Ende der 1920er Jahre werden die ersten Seilbahnen errichtet: von Ehrwald auf die Zugspitze, von Kitzbühel auf den Hahnenkamm und von Innsbruck auf den Patscherkofel sowie auf das Hafelekar. Der Ausbau des Straßennetzes und die Eröffnung des Innsbrucker Flughafens treiben die touristische Entwicklung weiter an.

Einen wesentlichen Anteil am Aufschwung des Fremdenverkehrs hat dabei die Wintersaison. Die ersten Skirennen, die Gründung von Skiclubs und Skischulen sowie die Erfolge heimischer Skirennläufer festigen den Ruf Tirols als Wintersportland.

Zu Beginn der 1930er Jahre wird die touristische Aufwärtsentwicklung jäh gestoppt. Die Weltwirtschaftskrise steuert ihrem Höhepunkt entgegen. Doch es kommt noch schlimmer: Die nationalsozialistische Regierung in Deutschland erlässt eine Verordnung, wonach jeder Reichsdeutsche, der nach Österreich ausreisen will, eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zahlen muss. Diese „1.000-Mark-Sperre“ bringt den Strom der Gäste aus Deutschland zum Erliegen.

Anschluss 1938 und Zweiter Weltkrieg (1939-1945)

Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 bringt völlig neue Voraussetzungen: Plötzlich kommen deutsche Urlauber wieder in Scharen nach Tirol. Dies ist allerdings nur ein kurzes Aufflackern. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 versinkt Tirol im Schrecken und Elend dieser dunklen Zeit.

Nach 1945

Zerbombte Hotels am Platz vor dem Innsbrucker Bahnhof

Mit viel Arbeit und großem Einsatz gelingt es, den Tourismus nach dem Krieg wieder in Schwung zu bringen. Dank starker Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent schließt die Branche bereits Anfang der 1950er Jahre wieder an die Übernachtungszahlen aus den frühen 1930er Jahren an. Im Tourismusjahr 1958/59 wird bei den Nächtigungen bereits die 10-Millionen-Marke überschritten, nur drei Jahre später sind es bereits mehr als 15 Millionen Nächtigungen.

Olympische Winterspiele 1964 und 1976

Olympiaplakat 1976 von Arthur Zelger

Die 9. Olympischen Winterspiele finden 1964 in Innsbruck statt und tragen den Ruf Tirols als Wintersportland in die Welt hinaus. Nur zwölf Jahre später brennt das Olympische Feuer zum zweiten Mal in Innsbruck. Tirols Landeshauptstadt springt kurzfristig als Ersatzort für Denver ein. Diese Winterspiele gehen als „die einfachen Spiele“ in die Sportgeschichte ein, weil keine einzige Sportanlage neu errichtet werden muss.

Die 1980er

Der Winter holt immer stärker auf: Die Zahl der Winternächtigungen (19,4 Mio.) ist erstmals annähernd gleich groß wie jene der Sommernächtigungen (19,5 Mio.).

1997

Das Strategiepapier „Der Neue Tiroler Weg“ enthält wegweisende Meilensteine für eine wettbewerbsfähige Weiterentwicklung des Tiroler Tourismus. Dazu zählt eine Strukturreform, welche die Basis zur Fusion von ehemals 254 Tourismusverbänden zu 34 regionalen Einheiten legt.

2008

Mit der Fußball-Europameisterschaft ist die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt in Tirol zu Gast. Das Land nutzt das Event, um mit der Aktionsmarke Tirol:08 international aufzutreten. Zwei teilnehmende Mannschaften wählen Tirol als Quartier: Der spätere Europameister Spanien wohnt in Neustift (Stubaital), Tschechiens Nationalteam gastiert in Seefeld.

2015

Mit 10,9 Millionen Gästen gibt es im Tourismusjahr 2014/15 (November 2014 bis Oktober 2015) einen neuen Höchstwert bei den Ankünften. Die Übernachtungen erreichen in diesem Zeitraum 45,6 Millionen. Das ist das zweitbeste Ergebnis im historischen Vergleich hinter dem Tourismusjahr 1991/92.